Adaptive Bilder. Technik und Ästhetik situativer Bildgebung

Bedingt durch die jüngere Technikentwicklung, werden digitale Bilder zunehmend in portable, sensorgesteuerte und augmentierende Visualisierungssysteme integriert, die in Abhängigkeit von ihrer Umwelt operieren. Als sogenannte virtual oder augmented reality Anwendungen inzwischen im Konsumentenbereich angekommen, versprechen sie eine umfassende Nutzbarkeit auch in professionellen Zusammenhängen, etwa in der industriellen Produktion.

In Feldern wie der medizinischen Praxis werden jedoch auch die umfassenden Folgen der technologischen Aufrüstung deutlich. Operationen werden in einem solchen Maße durch automatisierte Echtzeit-Visualisierungen unterstützt, dass Bildschirmdarstellungen als die primären Referenzobjekte an die Stelle realer Körper rücken. Diese sind in umfassende multimediale und multimodale Bildapparate eingespannt, die durch Schnittstellen, mechatronische und logistische Elemente laufend weiter ausgedehnt werden. Interfaces und Algorithmen antizipieren Entscheidungen und engen Handlungen ein.

Eine Folge dieser permanenten raumzeitlichen Verzahnung von Visualisierungen, Objekten und Handlungen sind neue Möglichkeiten der Diagnose und Therapie, aber auch neue Herausforderungen in Bezug auf die Wahrnehmung, Interpretation und Gestaltung von Bildern, die handlungsanleitend und sogar lebensentscheidend werden. Gerade aus dem Anspruch erhöhter Realitätsnähe ergibt sich für adaptive Bilder, die nur noch individuell erfahren werden, eine spezifische Ungreifbarkeit.

Der Übergang vom digitalen zum adaptiven Bild steht daher im Mittelpunkt der Untersuchung. Anhand von anwendungsbezogenen Fallstudien sollen die besonderen ästhetischen, technischen und operationalen Aspekte adaptiver Bildlichkeit und die damit verbundenen Repräsentationsprobleme erforscht werden. Die Untersuchung verspricht nicht nur einen grundlegenden Beitrag zur Bildkritik, sondern auch zu den Mechanismen der digitalen Bildlichkeit, die im Mittelpunkt des SPP steht.

Team

Matthias Bruhn, Professur für Kunstwissenschaft & Medientheorie, Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Moritz Queisner, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Kathrin Friedrich, Koordinatorin, Forschungskolleg „Sensing – Zum Wissen sensibler Medien“, Universität Potsdam