Workshop: „Das digitale Bild – Methodik und Methodologie:
fachspezifisch oder transdisziplinär?“
Philipps-Universität Marburg / DDK Bildarchiv Foto Marburg
12.–13. November 2020

Das DFG-Schwerpunktprogramm „Das digitale Bild“ führt 12 unterschiedliche Forschungsprojekte deutscher Universitäten zusammen und fokussiert sich dabei auf die zentrale Rolle, die dem Bild im Prozess der Digitalisierung von Wissen und Praxis zukommt. Unter der übergeordneten Thematik behandeln die Teilprojekte je eigene Fragestellungen – so bildet das Programm den Facettenreichtum und transdisziplinären Charakter des Forschungsfeldes ab, während gleichzeitig enge Zusammenarbeit und produktiver Austausch der Forschenden angestrebt wird.

In regelmäßig stattfindenden Tagungen und Workshops wird dieser Dialog kultiviert und fortgeführt – gerne möchten wir auch Sie dazu einladen.

Herzliche Einladung zum Workshop:
„Das digitale Bild – Methodik und Methodologie:
fachspezifisch oder transdisziplinär?“
12.–13. November 2020

Welcher Begriff des „digitalen Bildes“ wird in den einzelnen Projekten verfolgt? Welche konkreten methodischen und methodologischen Herausforderungen ergeben sich hieraus? Welche allgemeineren Lehren und Folgerungen für den wissenschaftlichen Umgang mit dem „digitalen Bild“ können hieraus gezogen werden? Diese Fragen sollen in drei Bereichen diskutiert werden:

Mit dem Computer ist die Maschine zwar nicht zuallererst in den Raum der Geisteswissenschaften eingetreten, aber dessen unbegrenzte Anwendungsmöglichkeiten führen dazu, dass der Maschine ein immer größerer Bereich eingeräumt wird. Welche Folgen hat dies im konkreten Fall? Wie wird  beispielsweise die Delegation der Analyse an die Maschine, die mit dem Raumgewinn der Künstlichen Intelligenz immer ausgeprägter zum Zuge kommt, implementiert, dokumentiert und kontrolliert? Bedeutet dies etwa eine Bevorzugung jener Recherchebereiche, in denen dergleichen bereits gangbar erscheint? In welchem Verhältnis steht also z. B. die Quantifizierung des rechnerischen gegenüber dem traditionell eher qualitativen Zugriff der hermeneutischen Wissenschaften? Wie verhält sich die gängige Deutung mit ihrer Zentrierung auf Einzelwerke zum Big-Data-Zugriff als einer Domäne des Rechners? Und nicht zuletzt müssen wir ganz konkret die Frage stellen, wie wir Geisteswissenschaftler*innen methodisch damit umgehen, dass wir vielerlei technische Möglichkeiten nicht selbst entwickeln, implementieren und nur schwer kontrollieren können. Müssen wir unser Kompetenzprofil in den technischen „maschinellen“ Bereich ausweiten oder wäre ein Rückgriff auf handliche Angebote der Industrie sinnvoller? Benötigt innovative Forschung im digitalen Zeitalter Maschinenkompetenz?

Alle Projekte des SPP sind als wissenschaftliche qualifiziert, sie werden von Spezialisten durchgeführt und richten sich primär an eine engere oder weitere Fachcommunity. Im Internet relativiert sich allerdings die Hierarchie von Experten und Laien. Eine zu enge Begrenzung auf den a priori für ein Projekt bestimmten Gegenstand wird problematisch, die für das weitere Feld sich ergebenden neuen Möglichkeiten der Verarbeitung, aber auch der Kommunikation und Publikation, können nicht ohne Auswirkungen auf den Entwurf der Forschungsanordnung bleiben. Die von Lawrence Lessig und anderen beschworene „Sozialwerdung“ der Kreativität (oder „Creative Collaboration“) im Digitalen, die sich in einer säkularen Verwandlung von einer „Read-Only“- zu einer „Read/Write“-Kultur manifestiert, betont den Zwei-Wege-Charakter kultureller Produktion: Die Trennung von Kulturschaffenden und Kulturrezipierenden wird abgebaut und im Sinne der Ermächtigung ehemals passiver Mehrheiten unterlaufen. In Phänomenen wie der Citizen Science/Crowdsourcing hat sich auch die Wissenschaft dieser Transformation zu stellen, nach deren Auswirkungen auf Selbstverständnis und Leistungsspektrum zu fragen wäre. So stellt sich die Frage, ob und in welcher Weise Projekte und das SPP insgesamt diese Dimension methodisch adressieren, das Potenzial nutzen, oder, was ebenso wichtig ist, wie man der Herausforderung begegnet, d. h. wie man den legitimen Ansprüchen der Nutzer*innen des weiteren Feldes gerecht werden kann. 

Nur scheinbar ein Gegenstück zu dieser Herausforderung ist die methodische Selbstbesinnung und – reflexion eines konkreten Projekts im Kontext eines Fachdiskurses. Hier ist anzuerkennen, dass Erkenntnisinteressen auch Phänomene langer Dauer sind, dass Forschungsfragen und Methodiken ihre Tradition haben, wenn allerdings diese angesichts der neuen Technologien zu überdenken und anzupassen sind. Zugleich ist es möglich, dass die digitalen Technologien keineswegs nur Neues bringen, sondern auch Hergebrachtes – im problematischen Sinn – verstetigen können. Gerade auch als Medium der Künstlichen Intelligenz bewährt sich der Computer vor allem als identifikatorisches, klassifikatorisches, rekonstruierendes und transkribierendes Medium. Verschiedene Autor*innen haben, gewiss teils auch in beiläufigen, aperçuhaften Kommentaren, der digitalen Kunstwissenschaft mit ihren beispielhaft aufgerufenen Fragen nach automatisierter Autoridentifikation und Stilbestimmung eine Rückkehr in den Positivismus des 19. Jahrhunderts vorgeworfen (Pollock, Bishop). Diese Skepsis ist ernst zu nehmen und genauer zu prüfen. Wo stellt sich dieser Verdacht allgemein und im Besonderen in den von den Projekten des SPP aufgeworfenen Sachverhalten? Schneidet eine digital gestützte Analysepraxis tatsächlich die Werke aus ihrem Kontext heraus und vernachlässigt dessen konstitutive Bedeutung?

Tagungsprogramm

Donnerstag I 12.11.2020

Experten des Panels:
Urs Leonhard Hirschberg, Technische Universität Graz und Andreas Maier, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 


Übersicht der Vorträge

9:009:20 Uhr   
I Qualitative und quantitative Methoden zur Evaluation synthetischer Bilder 
Matthias Wright, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 

9:209:30 Uhr 
I Response  

9:309:50 Uhr     
I Revealing and Concealing: Reproductions of Japanese Handscrolls as Research Materials from Analogue to Digital
Fengyu Wang, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

9:5010:00 Uhr
I Response 

10:0010:30 Uhr
I Pause

10:3010:50 Uhr   
I Produktion und Reputation des digitalen Bildes in der Architektur
Hubert Locher, Philipps-Universität Marburg
Dominik Lengyel / Catherine Toulouse, Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

10:5011:00 Uhr
I Response 

11:0011:30 Uhr
I Resümee und offene Diskussion zu Panel I

Donnerstag I 12.11.2020

Expert*innen des Panels:                               Christoph Ernst, Universität Bonn, Katharina E. Kinder-Kurlanda, GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften und Matteo Pasquinelli, Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe 

Übersicht der Vorträge

13:3013:50 Uhr
I Co-Creation im (Para-)Fotojournalismus. Herausforderungen in Theorie und Praxis
Evelyn Runge, Universität zu Köln

13:5014:00 Uhr
I Response  

14:0014:20 Uhr
I Bildpraxisanalyse: Erschließen, was Praktiken in Sozialen Medien vom digitalen Bild wissen 
Jens Ruchatz / Kevin Pauliks, Philipps-Universität Marburg 

14:2014:30 Uhr
I Response 

14:3015:00 Uhr
I Pause 

15:0015:20 Uhr
I Hidden Work: unautomated labor and AI
Ana Teixeira Pinto, Leuphana Universität Lüneburg

15:2015:30 Uhr
I Response 

15:3015:50 Uhr
I Code: analysieren – vergleichen – visualisieren. Methoden zur Untersuchung von Computercode in Kunstwerken
Inge Hinterwaldner / Daniela Hönigsberg, Karlsruher Institut für Technologie

15:5016:00 Uhr
I Response

16:0016:30 Uhr
I Resümee und offene Diskussion zu Panel II

16:3018:00 Uhr
I Pause 

18:0019:00 Uhr
I Abendvortrag: Skalierbare Geschichte? Für eine digitale Hermeneutik der Geisteswissenschaften                                             Andreas Fickers, Luxembourg Centre for Contemporary and Digital History                                                             

 

 

Freitag I 13.11.2020

Expertinnen des Panels:
Katja Kwastek, Vrije Universiteit Amsterdam und Ute 
Verstegen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Übersicht der Vorträge

9:009:20 Uhr                                                                I Archäologie, Informatik, Digital Humanities – Ein Streitgespräch                                            Lucie Böttger / Alexander Zeckey, Georg-August-Universität Göttingen

9:209:30 Uhr                                                                 I Response 

9:309:50 Uhr                                                                I Methoden und Methodologie der Europäischen Ethnologie: Das digitale Bild aus ethnografischer Perspektive                          Katharina Geis / Sarah Ullrich, Humboldt-Universität zu Berlin

9:5010:00 Uhr                                                               I Response 

10:0010:30 Uhr
I Pause

10:3010:50 Uhr
I Adaptive Anatomie: Durchschaubarkeit von Körper und Bild in der Chirurgie 
Moritz Queisner / Kathrin Friedrich, Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

10:5011:00 Uhr                                                               I Response 

11:0011:30 Uhr
I Resümee und offene Diskussion zu Panel III

11:3012:00 Uhr
I Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick

Das ausführliche Tagungsprogramm steht für Sie unter nebenstehendem Button „Programm“ zum Download bereit.

Teilnahme und Registrierung

Die Teilnahme ist kostenlos per Zoom-Webinar möglich. Bitte tragen Sie sich in untenstehendes Formular ein – Sie erhalten dann vor dem Workshop eine Mail mit allen Details und Links.

Natürlich werden Ihre Daten vertraulich und gemäß den DSGVO-Standards behandelt.

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