Ethnografische Beobachtungen digitaler Museumspraktiken in der Covid19-Krise

Ethnografische Beobachtungen digitaler Museumspraktiken in der Covid19-Krise

Als am 16. März 2020 von der Bundesregierung beschlossen wurde, dass alle Kultureinrichtungen aufgrund der Corona-Krise bis auf weiteres geschlossen bleiben, mussten sich die Museen Gedanken darüber machen wie sie über diese Zeit weiterhin für ihre Besucher*innen da sein können. Andere Länder hatten diese Maßnahmen bereits getroffen oder sollten kurz darauf folgen. Für eine Vielzahl an Museen bedeutete das, dass der bislang vernachlässigte Ausbau des digitalen Angebots so schnell wie möglich umgesetzt werden musste. Doch wie effektiv und nachhaltig sind diese Bemühungen? Und werden sie von den Besucher*innen angenommen? Im Forschungsprojekt „Curating Digital Images: Ethnographic Perspectives on the Affordances of Digital Images in Heritage and Museum Contexts“ [1] innerhalb des DFG-Schwerpunktprogramms „Das Digitale Bild“ [2] untersuchen zwei miteinander verbundene ethnografische Studien, wie digitale Angebote das Museumserlebnis der Besucher*innen verändern und wie Besucher*innen selbst durch ihr praktisches Handeln den Kontext digitaler Exponate transformieren und mitgestalten. Im Kontext der aktuellen Lage rund um Covid-19 trägt das Projekt auch dazu bei zu verstehen, was eigentlich passiert, wenn die Besucher*innen nicht mehr ins physische Museumsgebäude gehen können, und das Museum stattdessen ‚zu ihnen gebracht‘ wird. Wie komplex sich dieser Prozess in der gelebten Wirklichkeit der Akteur*innen gestaltet, möchten wir im Folgenden an einigen beispielhaften Beobachtungen darlegen.

Virtuelle Museumserlebnisse

Wer sich derzeit auf die Suche nach musealen Angeboten im Netz begibt, wird zunächst auf zahllose Artikel verschiedener Zeitschriften und Internetmagazine stoßen, die entsprechende Angebote auflisten. Diese Listen verbreiteten sich im gesamten Internet: Facebook, Twitter, Tumblr, Reddit, und so weiter. Überall teilen Menschen die digitalen Angebote mit ihren Freunden und Familien. Obwohl es sich hierbei in erster Linie um bereits länger bestehende Onlineangebote handelt, werden die Listen vielerorts begeistert aufgenommen. So lässt sich auf Facebook nachvollziehen, wie sich Freunde gegenseitig in den Kommentarspalten markieren und Online-Dates rund um die digitalen Angebote von Museen vereinbaren, virtuelle Ausflugsziele vorschlagen oder Lehrer*innen Anregungen für ihren Fernunterricht geben. Auf Tumblr nutzen die User*innen das Hashtagsystem, um ihren Gefühlen in Bezug auf digitale Bilder bewunderter musealer Werke Ausdruck zu verleihen: #COOL!!!, #now this is fun, #AAAAHHHH YESSY YES oder #oh yeehaw – solche Kommentare lassen erahnen, dass die digitalen Angebote gut ankommen. Daneben werden die Artikel und Listen außerdem oft mit #inspiration oder #resource getagged und zeigen Interesse an der Verwendung und kreativen Verwertung des digitalen musealen Materials. Der Wunsch nach Museumserlebnissen wird durch solche Reaktionen und Interaktionen der Menschen deutlich. Jedoch zeigt eine Studie [3] von Michael Alexis, Director of Marketing von Museum Hack, dass die Begeisterung für virtuelle Museen nur von kurzer Dauer war. Mitte März, also dem Beginn der Ausgangsbeschränkungen in den meisten Ländern, stiegen die Google-Suchanfragen nach „free virtual museum tours“ und „online museum tours“ schlagartig an, nur um kurz darauf schnell wieder abzunehmen. Auch wenn das öffentliche Bewusstsein für Online-Museumsangebote dadurch gestärkt wurde, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um einen kurzweiligen Trend handelt, denn: Virtuell begehbare Räume und reine Bildergalerien, wie sie in den Artikeln meist beworben wurden, können einen Museumsbesuch nicht ersetzen. Dazu fehlen Interaktion und die Möglichkeit sich mit dem Gesehenen in Bezug zu setzen. Allein schon durch verschiedene Infrastrukturen unterscheiden sich die Praktiken im Internet von denen in physischen Räumen, sodass eine lineare Übertragung des Physischen ins Digitale auf lange Zeit gesehen nicht funktionieren kann. Andere Museumsangebote, wie sie auf Social Media zu finden sind greifen dagegen die spezifischen Eigendynamiken des Internets und die damit zusammenhängenden Alltagspraktiken auf.

Interaktive Museumsaktionen auf Social Media

Listen und Artikel sind eher passiver Natur, besonders interessant wird es aber, wenn Museen Besucher*innen aktiv einbinden. In Zeiten von Covid-19 muss das in vielen Fällen schnell und einfach gehen, naheliegend ist daher die Nutzung von aktionsgezielten Hashtags auf verschiedenen Plattformen. Haidy Geismar beschreibt Hashtags als rekursive Werkzeuge: User-generierte Kategorien, die gleichzeitig von anderen User*innen genutzt werden können, um sich zu vernetzen und auszutauschen. [4]  So scheint es auch nicht verwunderlich, dass insbesondere Hashtags ein beliebtes Mittel von Museen sind, um mit ihren Besucher*innen auch während der Einschränkungen in Kontakt zu bleiben. Neben Hashtags, die scheinbar nur von den Museen selbst verwendet und beachtet werden, gibt es auch viele Beispiele, in denen ein Austausch mit den Besucher*innen gelingt.

Da gibt es beispielsweise den Hashtag #MuseumFromHome der ursprünglich Museumsmitarbeiter*innen dazu aufrief, Objektgeschichten innerhalb von 60 Sekunden zu erzählen, mittlerweile aber auch für andere digitale Aktionen verwendet wird. Im #MuseumMomentOfZen teilen Museen und Kunstinteressierte beruhigende Bilder. Das York Castle Museum lässt seine Besucher*innen regelmäßig über verschiedene, teils skurrile,  Objekte aus der Sammlung rätseln und diskutieren. Doch am weitaus erfolgreichsten ist das Projekt Tussen Kunst En Quarantaine (niederländisch für „Zwischen Kunst und Quarantäne“), welches inzwischen auch englischsprachig #BetweenArtandQuarantine viel Aufmerksamkeit generiert: User*innen stellen Bilder berühmter Kunstwerke auf oftmals humorvolle Art und Weise mit Utensilien aus dem eigenen Haushalt nach.

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Die Challenge ist äußerst beliebt: Allein auf Instagram gibt es bis heute [Stand: 8. Mai 2020] über 50.000 Posts die mit #tussenkunstenquarantine getagged wurden, das englischsprachige Pendant immerhin über 30.000. Angefangen hat alles mit dem Instagram-Account TussenKunstEnQuarantaine [5], welcher sich laut Interviews rasend schnell über niederländische Social Media-Kanäle verbreitete. Dann rief auch das Amsterdamer Rijksmuseum zur Teilnahme an dieser „Stay At Home Challenge“ auf: „1. Choose your favourite painting. 2. Find three things lying around your house. 3. Recreate the painting with those attributes”. Nach dem großen Erfolg der längst nicht mehr nur niederländischen Aktion folgte auch das Getty Museum. Tausende Menschen stellen seitdem Szenen aus Kunstwerken nach, laden sie hoch und teilen sie mit anderen und dem Museum mithilfe einer der beiden Hashtags.

Interviews mit Teilnehmer*innen, die im Rahmen des Projekts durchgeführt wurden, zeigen, dass die meisten User*innen bereits eine Vorstellung davon hatten, welches Kunstwerk sie nachahmen wollten. Für die Umsetzung haben sie schlicht nach Bildvorlagen gegoogelt und nicht zwangsläufig die Museumsdatenbanken zu Hilfe genommen. Die große Bandbreite an Kunstwerken lässt jedoch vermuten, dass durchaus auch die Suche nach geeignetem Material in Datenbanken beansprucht wird. Unter den Befragten waren auch zwei Lehrerinnen. Beide erzählten, dass sie an der Aktion teilgenommen haben, weil sie etwas Ermutigendes und Fröhliches mit ihren Schülern teilen wollten. Weiterhin gaben sie ihren Schüler*innen die Aufgabe, ebenfalls ein Gemälde nachzustellen und somit in den digitalen Unterricht mit einzubinden. Eine der Begründungen war: „I think it will improve their skills ‚to see‘ and also analyse pictures/artworks“. Die Nutzung von digitalen Museumsangeboten ist sicherlich nicht auf die Zeit der Covid-19-Krise beschränkt und wird schon lange auch auf anderen Plattformen diskutiert, jedoch sind sie besonders jetzt für viele Lehrer wertvoll, um den Unterricht fernab der schulischen Räumlichkeiten interessant zu gestalten.

Viele Teilnehmer*innen greifen auch aktuelle gesellschaftliche Themen auf und bauen passend zur Corona-Krise Toilettenpapier und Desinfektionsmittel als Requisiten ein. Das stetige Bedürfnis etwas Lustiges und Erheiterndes zu teilen ist der rote Faden, der sich durch die allermeisten Aktionen hindurchzieht: von Zen-Bildern, über lustige Objektgeschichten, bis hin zum Nachstellen des Lieblingskunstwerkes. Es zeigt sich, dass die Museen auch in schwierigen Zeiten digital Freude und Inspiration bringen können. Gemälde und Skulpturen bleiben demnach nicht einfach hinter den Türen der geschlossenen Museen verborgen, sie finden neue und kreative Wege in die Leben ihrer, zeitweise ausschließlich digitalen, Besucher*innen – und was besonders bemerkenswert ist: auch in den Alltag vieler Personen, für die Museen und Kunst normalerweise wenig Bezugspunkte bieten. Auf diese Weise werden Ausstellungsgegenstände und museale Räume zu Kulissen des Alltags.

Aneignungsprozesse und Konfliktpotenziale

Die reflexive Rolle, welche Museen und ihre Objekte im alltäglichen Leben ihrer Besucher*innen spielen, konnten wir schon vor der Covid-19-Krise auf visuell geprägten Foren wie Instagram oder Facebook beobachten. Nutzer*innen dieser Plattformen kuratieren Fotografien, die in Museen und Galerien entstanden sind, oftmals auf eine spezifische Art und Weise: sie weben Aspekte ihrer alltäglichen Wirklichkeit in die digitalen Bilder mit ein. Insbesondere durch die physische Positionierung im musealen Raum, die spezifische Interaktion zwischen Akteur*in, Kamera und Ausstellungsobjekten, durch die Beschriftung der jeweiligen Posts, durch Hashtags und Kommentare versehen die Social-Media-Nutzer*innen die digitalen Bilder mit einem Sinn, der nicht immer mit jenen Bedeutungen übereinstimmen muss, auf welche die Ausstellungsorte, die Künstler*innen oder der den abgebildeten Objekten inhärente Kontext abzielen. In unseren Feldnotizen finden sich zahlreiche digitale Museums-Fotografien von Besucher*innen, welche dieses In-Bezug-Setzen in Form von Social Media-Posts abbilden: Eine junge Frau steht mit nach oben verdrehten Augen neben der Marmorstatue einer halbnackten griechischen Göttin und fragt sich in der Beschriftung des digitalen Bildes spöttisch, ob die Tochter des Atlas ihr Oberteil wohl nicht alleine finden kann. Sie kontextualisiert ihren Post auf Instagram mit dem Hashtag #feminism und verortet das Ausstellungsobjekt, mit Bezugnahme auf die materiellen Qualitäten der Staute, im Rahmen ihrer persönlichen Wertvorstellungen. [6] Eine andere Instagram-Userin nutzt die Gegebenheiten einer Kunstinstallation im Institute of Contemporary Art um sich selbst als Teil des musealen Raums zu inszenieren und verändert dadurch die Ästhetik des Lichtschauspiels. [7] In einem Interview erklärt sie mir, dass diese transformierte ästhetische Erfahrung für sie ihr eigenes Leben zwischen hellen und dunklen Momenten symbolisiere.

Ähnliche Aneignungsprozess lassen sich nun, wie wir feststellen konnten, durch Hashtag-Kampagnen auf Instagram, Facebook und Twitter verfolgen. In Projekten wie #TussenKunstEnQuarantaine/ #BetweenArtandQuarantine tritt die Neigung der Menschen, die museale Umgebung auf ihre eigene Weise mit Bedeutungen zu versehen, noch deutlicher hervor. Durch die bereits erwähnte Integration trivialer Gegenstände mit aktuellen Bezügen wie Klopapier oder Desinfektionsmittel, durch die In-Bezugnahme zur eigenen Lebenswelt und durch die Darstellung bestehender sozialer Beziehungen, nutzen die Teilnehmer*innen derlei Aktionen, um das Museum und dessen kulturelles Angebot in ihren Alltag einzubeziehen und gleichermaßen ihr alltägliches Wissen in den virtuellen musealen Raum einzugliedern. So trivial diese Praktiken auf den ersten Blick scheinen mögen, können sie doch die Art und Weise offenbaren, wie Menschen ihre alltägliche Umgebung im Dialog mit musealen Räumen und Werken verstehen und interpretieren: Ein Nutzer der Social-Media-Plattform Twitter rekreiert das Portrait eines afroamerikanischen Mannes und nimmt mit dieser Bildauswahl Bezug zu seiner eigenen Lebenswelt und Herkunft. In den Kommentaren wird der Post im Rahmen der Vernachlässigung historischer Personen mit schwarzer Hautfarbe kontextualisiert, was letztendlich dazu führt, dass das digitale Bild andere User*innen dazu animiert, das Bild in Hinblick auf persönliche Erfahrungen hin zu interpretieren und Aspekte ihrer Alltagswelt zu artikulieren und mit anderen zu teilen. [8]  Dass wir über das digitale Bild und die Verhandlung des Bildinhaltes ebenfalls Rückschlüsse auf die impliziten Wissensbestände der entsprechenden Personen treffen können, zeigt dagegen die Neuinterpretation des Kunstwerks „Madonna mit Kind“, auf dem eine junge Frau das Jesuskind kurzerhand durch ihren kleinen Hund ersetzt hat. Während manche Kommentare die Kreativität und den Humor des Posts loben, fordern andere das Löschen des digitalen Bildes. So schreibt eine Twitter-Userin: „You are mocking the icons. This is blasphemous and offensive. An icon is a religious work of art. They are not simply artworks but an icon is a sacred image used in religious devotion. Please take these images down.“ [9]  Hier treffen zwei miteinander konkurrierende Betrachtungsweisen und alltägliche Routinen aufeinander; so werden Social-Media-Plattformen zum einen als Orte des sorglosen Vergnügens verstanden und Kunst wird in diesem Zusammenhang als Möglichkeit der subjektiven Bedeutungszuschreibung anerkannt, zum anderen wird die abgebildete Ikone im Rahmen sakraler Wertschätzung verortet, was wiederum die Ablehnung der digitalen Profanisierung des Bildes erklärt.

Genauso relevant wie das hier sichtbar werdende, implizite Wissen und die verinnerlichten, alltäglichen Praktiken, sind die bewussten Auswahlprozesse, welche dem Rekreieren der Kunstwerke, dem Veröffentlichen der digitalen Bilder im Netz und dem Verlinken der Posts mit übergreifenden Themen und Institutionen auf den jeweiligen Social-Media-Plattformen vorausgehen. Die Entscheidung mit welchen Künstler*innen, Bildinhalten und mit welchen Museen die User*innen in Verbindung gebracht werden möchten, kann uns aufzeigen, wie Geschmack und Einstellungen visuell kommuniziert und durch die Infrastruktur und Aufmerksamkeits-Ökonomie der Plattformen mitkonstruiert werden. Die Online-Plattformen werden zu Archiven des Alltags. Durch die digitalen Bilder reproduzieren sich kulturelle Schemata und spezifische Aspekte individueller Selbstverständnisse und Fremdbilder. Es sind also zum einen die Praktiken der digitalen Aneignung, (Re)Kontextualisierung und (Selbst)Verortung, sprich die beobachtbaren digitalen Wandlungsprozesse im Bereich der Museumserfahrung, die wir in diesem Zusammenhang ethnografisch zu fassen versuchen.

Diese Prozesse betreffen dabei nicht ausschließlich die Lebenswelt der Akteur*innen, vielmehr lassen sich Transformationen beobachten, welche die klassischen Repräsentations- und Interaktionsformen, die die Institution Museum Jahrzehnte lang geprägt und bestimmt haben, in Frage stellen. Bei wem liegt beispielweise die Deutungsmacht, wenn eine Ikone nicht mehr in einen musealen Raum integriert wird, der sie im Rahmen einer künstlerischen Epoche oder eines historischen Narrativs verortet? Was passiert wenn ein sakrales Bild stattdessen mit profanen Alltagsgeständen zusammengeführt und als humorvolle Darstellung organisiert wird? Man kann hier durchaus zu dem Schluss gelangen, dass sich die Macht den Raum zu gestalten, die Macht die abgebildeten Dinge aus ihrem ursprünglichen Kontext zu lösen und der Eigenlogik der Ausstellung unterzuordnen, im Digitalen verschiebt und nun viel eher bei den Akteur*innen und viel weniger bei den jeweiligen Institutionen liegt. Vielleicht ist diese Annahme aber auch trügerisch, vielleicht sind es weniger die handelnden Akteur*innen, sondern letztendlich die oft unbemerkten Infrastrukturierungspotenziale der Social-Media-Plattformen, die Dinge und Themen in einem künstlichen Raum zusammenfügen und sie mit Bedeutung versehen, oder eben doch die Museen, die ihre Deutungsmacht hier nur subtiler durch die Rahmenbedingungen der jeweiligen Challenge wirksam machen.

Was passiert darüber hinaus mit genau jener Potenz, die das Museum normalerweise ohne weiteres Hinterfragen für sich beanspruchen kann, wie verhält es sich mit dem Zeigen einer abwesenden Wirklichkeit, die durch materielle Zeugnisse sinnlich zugänglich gemacht wird im Digitalen, dem es an genau jenen Qualitäten zu fehlen scheint? Es wäre zu kurz gegriffen, digitalen Bildern Präsenz und Atmosphäre abzuerkennen und ihnen damit jegliche Erkenntnispotenziale abzusprechen. Eine emotionale Auseinandersetzung mit Dingen lässt sich auch durchaus beobachten, wenn man einem Hashtag wie #TussenKunstEnQuarantaine/ #BetweenArtandQuarantine auf Instagram oder Twitter folgt und sei es nur in Form des Austausches von humorvollen Eindrücken. Aus diesen Überlegungen heraus lässt sich erschließen, dass das Museum in Zeiten von Covid-19 nicht nur als Institution wahrzunehmen ist, die ihren Besucher*innen gegenübersteht, sondern als Medium, um soziale Verbindungen sichtbar zu machen – und sei es, indem eine Hashtag-Challenge Anreize bietet, die eigene Orientierungslosigkeit darzustellen und zu artikulieren.

Die aktuelle gesellschaftliche Situation hat in kürzester Zeit zu rasanten Veränderungen im Bereich der Online-Museumserfahrung beigetragen, die neu entstandenen Formate produzieren dabei neue Möglichkeiten und Perspektiven, tragen aber auch Potenziale in sich, die durchaus kritisch zu beleuchten sind. Uns als Kulturwissenschaftler*innen geht es hier nicht darum, die beschriebenen Online-Phänomene museumspraktisch zu bewerten. Wir wollen mit unseren Forschungen vielmehr die gegenwärtigen Entwicklungen ethnografisch erfassen und können damit dazu beitragen, die beobachtbaren transformativen Prozesse besser zu verstehen.

Literaturverzeichnis

[1] http://www.carmah.berlin/curating-digital-images/

[2] https://www.digitalesbild.gwi.uni-muenchen.de

[3] Alexis, Michael 2020: People Don’t Want Virtual Museum Tours; Do This Instead. In: Museum Hack Blog. https://museumhack.com/virtual-museum-tour-trends/?fbclid=IwAR3mEmV3xe9O6ktkREb6Upy-Gdcjg3ERuPRlsby8t6_aDOwKc-k2DiXD-Ws (letzter Aufruf: 25.05.2020).

[4] Geismar, Haidy 2017: Instant Archives. In: Larissa Hjorth et al. (Hg.), The Routledge Companion to Digital Ethnography. New York & London: Routledge, S. 337.

[5] https://www.instagram.com/tussenkunstenquarantaine/

[6] https://www.instagram.com/p/B7XWKsVDS5d/ (letzter Aufruf: 09.05.2020).

[7] https://www.instagram.com/p/B02DcKfD8Aa/ (letzter Aufruf: 09.05.2020).

[8] https://twitter.com/PeterBrathwaite/status/1258668411770503168/photo/1 (letzter Aufruf: 09.05.2020).

[9] https://twitter.com/GettyMuseum/status/1242948449072377856/photo/1 (letzter Aufruf: 09.05.2020).

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